Liebe kennt keine Herkunft, September 2016

Einigermaßen überrascht reagierte ich auf die Anfrage von Hr. Ing. Gernot Waste, Beiträge für die Zeitschrift „Waschrumpl“ zu schreiben. Aufmerksam auf mich wurde Hr. Waste durch die Morgengedanken, die ich einmal jährlich für jeweils eine Woche für das Regionalradio gestalte.

Mein Name ist Barbara Haas. Ich leite in der Diözese Innsbruck das Bildungshaus St. Michael, bin fast 51 Jahre alt, verheiratet und Mutter von 3 Kindern im Alter von 27, 25, 18 Jahren.

Ich freue mich auf Rückmeldungen zu meinen Beiträgen. Gerne können Sie das auch per Mail an barbara.haas@dibk.at tun.

foto_barbara

Liebe kennt keine Herkunft

Mit meinem ersten Beitrag möchte ich Ihnen einen kleinen Burschen vorstellen. Nennen wir ihn Achmed. Achmed ist 4 Jahre alt. Er ist nicht das einzige Kind der Familie. Er hat drei ältere Geschwister und drei jüngere. Das Leben könnte so schön sein, wäre da nicht dieser schreckliche Krieg in Syrien, der immer näher zum Wohnort der Familie rückt. Die Eltern sind ratlos, welche Zukunft können sie ihren Kindern bieten. Gemeinsam beschließen sie, der Vater soll nach Europa flüchten und einen neuen Wohnort für die Familie suchen. 2 Jahre später ist die Familie wieder in Tirol vereint. Dazwischen liegen viele Tage der völligen Ungewissheit, der Angst und der Sorge. Eine Schwesterngemeinschaft hat die neunköpfige Familie in Tirol herzlich aufgenommen.

Die Familie ist sehr dankbar. Die gesamte Familie hat die Flucht geschafft. Nur unser kleiner Achmed bekommt Fieber sehr hohes Fieber. Was kann die Ursache sein? Der praktische Arzt vor Ort untersucht den kleinen Mann mit den dunklen Augen und den noch dunkleren Locken gründlich. Die Entzündungswerte sind erschreckend hoch. Die Eltern verstehen den Arzt nicht, aber sie verstehen, dass ihr kleiner Sohn dringend ärztliche Hilfe braucht. Der Arzt verweist die Familie an die Kinderurologie der Universitätsklinik Innsbruck. Achmed hat eine Nierenerkrankung. Mit einer Operation kann ihm geholfen werden. Was fehlt Achmed? Die Eltern müssen sich auf die vorgeschlagene notwendige Operation einlassen, sie müssen vertrauen, dass ihrem Sohn geholfen wird. Alles geht gut. Achmed erholt sich schnell und spielt schon wieder fröhlich und ausgelassen mit seinen Geschwistern  im Klostergarten.

Wissen Sie wie die Mutter des kleinen Achmed ihre Dankbarkeit zeigt? Sie dankt ihrem Gott mit einem Opfer und fastet eine Woche lang, weil ihr kleiner Achmed wieder gesund ist.

Ich habe in meinem Leben viele Menschen kennengelernt, die andere Menschen lieben und sich um deren Wohlergehen sorgen, die alles tun würden, damit es dem geliebten Menschen besser geht. Sie kennen sie auch, jene liebenden Menschen, die sich um ihre Partner, Eltern, Kinder, Freunde, Geschwister, Nachbarn sorgen. Menschen, die hoffen und bangen, dass bei einer auftauchenden Krankheit alles wieder gut wird, dass das Leben wieder lebenswert wird. Liebe kennt keine Herkunft. Echte Liebe gibt immer, egal ob wir Mann oder Frau, jung oder alt sind, egal ob wir  in Syrien oder in Österreich geboren worden sind.

This entry was posted in Berichte von Betroffenen. Bookmark the permalink.