Unterwegs wahrnehmen, Oktober 2016

foto_barbaraMein Arbeitsplatz liegt auf 1200 m Seehöhe mitten in der Tiroler Bergwelt. Mein Weg hin zu meinem Arbeitsplatz ist eine schmale, kurvige, Straße. Links und rechts der Straße stehen alte Bauernhäuser. Manche sind wunderbar renoviert andere sind verlassen und dem Verfall preisgegeben. Die Steilhänge des Tales werden seit Generationen fleißig bewirtschaftet. Die Familien werden kleiner. Die harte Arbeit erfordert Ausdauer und Kraft, ist mühsam und zeitaufwendig. Das Einkommen ist gering.

Was treibt die Besitzerfamilien an, zu bleiben? Einen ganz besonderen Bauern habe ich kennengelernt, von ihm möchte ich Ihnen erzählen:

Seit über 30 Jahren schreibt er täglich in seinen Kalender in einer einfachen Sprache eine positive Sache, ein schönes Erlebnis. Etwas, das ihn erfreut, eine Begegnung, die ihn stärkt zu bleiben, weiterzuarbeiten, auch wenn die Bedingungen nicht optimal sind. Da steht zum Beispiel im Kalender am 7.Juli 1991 „Habe heute Morgen auf der Bergwiese 4 blaue Schmetterlinge entdeckt. Oder am 20. Mai 1998 „Der Mais hat gekeimt – alles ist gut aufgegangen – es wird ein guter Sommer werden!“. So hat er Jahr für Jahr die Kalender gefüllt. Der Bauer ist ein Meister des achtsamen Lebens. Nicht die großen Ereignisse sind im Zentrum seiner Wahrnehmung, sondern das Kleine, das Unscheinbare, Dinge die täglich, völlig unspektakulär passieren.

Positiv denken erfordert Übung. Achtsames Wahrnehmen geht in unserer schnelllebigen Zeit oft im Alltagsstress unter. Das Jahr 2016 liegt fast hinter uns. Wenn Sie am Ende des Jahres zurückblicken, was fällt Ihnen an schönen Augenblicken ein? Wenn Sie sich hinsetzen und auf einem Blatt Papier die besonderen Momente des Jahres 2016 festhalten, finden Sie für jeden Monat einen schönen Augenblick, eine besondere Begegnung, Lichtblicke, die unser Leben erhellen? Es kommt nicht auf die Anzahl an. Es kann sein, dass Ihnen nur ein einziger besonderer Augenblick, ein Begebenheit, ein kleines Alltagswunder einfällt. Aus meiner Sicht reicht das für`s Erste.

Allerdings für das Jahr 2017 könnte positiv denken  ein guter Vorsatz werden:
Eine gute Sache am Tag wahrnehmen und festhalten, das ist wahrlich ein großes Jahresprogramm.

Ing.in Dipl.Päd.in Barbara Haas Bakk.theol.
Diözese Innsbruck, Bildungshaus St. Michael
Schöfens 12
6143 Matrei am Brenner/Pfons

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